BOOTFITTING · ANALYSE UND POSITIONIERUNG
Standanalyse und individuelle Einlage
Wie du im Skischuh stehst, betrachten wir von unten nach oben: von der Position des Fußes über die Einlage und ihre Bettung bis zur Ausrichtung der Manschette und des gesamten Schuhs. Bei unserer Standanalyse stimmen wir diese Bereiche aufeinander ab und kontrollieren das Ergebnis am vollständigen Skischuh.
Unser Ziel: ein ausgewogener Stand für beide Kurvenrichtungen
Unser Ziel ist ein möglichst ausgewogener Stand im Skischuh, der dich in beiden Kurvenrichtungen unterstützt. Dafür stimmen wir Fußposition, Einlage, Manschette und bei Bedarf die Neigung des gesamten Schuhs individuell aufeinander ab.
Fällt dir eine Kurvenrichtung deutlich leichter als die andere, lohnt sich auch ein Blick auf die Schuhabstimmung. Unterschiedliche Voraussetzungen auf der linken und rechten Seite können dazu beitragen, dass du eine ausgeprägte „Schokoladenseite“ wahrnimmst.
Mit der Standanalyse prüfen wir, welchen Anteil die Position im Schuh daran haben kann. Durch gezielte Anpassungen können wir solche Asymmetrien im Schuh berücksichtigen und – soweit sie durch die Abstimmung beeinflussbar sind – ausgleichen. Ziel ist, materialbedingte Nachteile der schwächeren Seite zu reduzieren und möglichst vergleichbare Voraussetzungen für beide Kurvenrichtungen zu schaffen.
Wie weit das gelingt, ist individuell. Eine schwächere Kurve kann auch mit Fahrtechnik, Beweglichkeit oder Kraft zusammenhängen; nicht jede Seitendifferenz lässt sich durch Bootfitting kompensieren.
1. Die Fußposition im unteren Schalenteil beurteilen
Zuerst geht es um den Fuß in der unteren Schale – also dem Bereich des Skischuhs unterhalb der Manschette. Wir betrachten, wie der Fuß dort steht, wie er aufliegt und welche Unterstützung für die weitere Abstimmung sinnvoll ist.
Unser Ziel ist eine individuell passende und nachvollziehbar abgestützte Position im Schuh. Dafür beurteilen wir Fuß, Einlage und verfügbaren Raum gemeinsam, bevor wir die Manschette oder die Stellung des gesamten Schuhs verändern.
2. Individuelle Einlage und Bettung einschleifen
Die Einlage bildet die Kontaktfläche zum Fuß. Ihre Bettung ist der stützende Unterbau, den wir individuell einschleifen. Damit stimmen wir die Auflage und Unterstützung der Einlage auf den Fuß und den vorgesehenen Schuh ab.
Form und Bearbeitung dieser Bettung beeinflussen, wie der Fuß innerhalb des Schuhs abgestützt und positioniert wird. Wir bearbeiten sie deshalb gezielt und kontrollieren anschließend erneut im Schuh, ob die angestrebte Unterstützung erreicht wird. Dabei berücksichtigen wir auch den Platz, den Einlage und Bettung benötigen.
Welchen Einfluss hat das auf den Stand?
Die Wirkung endet nicht an der Fußsohle: Veränderungen der Unterstützung können auch die Stellung des Unterschenkels und die Position des Knies beeinflussen. Wie stark und in welche Richtung sich eine Anpassung auswirkt, beurteilen wir individuell. Deshalb kontrollieren wir die Standposition nach der Bearbeitung erneut.
Dabei geht es um die funktionelle Abstimmung im Skischuh. Eine Einlage korrigiert nicht automatisch jede anatomische Fehlstellung und ersetzt nicht die weitere Beurteilung von Manschette und gesamtem Schuh.
3. Die Manschette mit Cuff Alignment ausrichten
Wenn die Fußposition und die Einlage abgestimmt sind, richten wir die Manschette auf den Verlauf des Unterschenkels aus. Diese seitliche Anpassung der Manschette wird als Cuff Alignment bezeichnet.
Wir nutzen dafür die Möglichkeiten des jeweiligen Schuhmodells und prüfen den Kontakt zwischen Unterschenkel und Manschette. Dieser Schritt betrifft den oberen Teil des Schuhs. Er ist von einer Neigungsänderung des gesamten Schuhs unter der Sohle zu unterscheiden.
4. Knieposition auf dem Canting Master überprüfen
Anschließend überprüfen wir den Stand im vollständigen Skischuh auf unserem Canting Master. Dabei betrachten wir die Position des Knies anhand eines festgelegten Referenzpunkts am oberen Schienbein im Verhältnis zur Fußlängsachse.
So beurteilen wir die Standposition nach der Abstimmung von Einlage und Manschette und prüfen, ob eine weitere Anpassung unter dem Schuh sinnvoll ist. Die Messung ist Teil unserer Beurteilung; sie legt nicht für jeden Menschen denselben Korrekturwert fest.
5. Bei Bedarf: Canting unter dem Schuh
Ist nach diesen Schritten eine weitere Anpassung angezeigt und das Schuhmodell dafür geeignet, setzen wir Cantingkeile beziehungsweise Shims unter dem Schuh ein. Damit verändern wir die seitliche Neigung des gesamten Schuhs gegenüber seiner Auflagefläche.
Die Auswahl der Keile richtet sich nach unserer individuellen Beurteilung. Anschließend kontrollieren wir die veränderte Standposition erneut. Canting ergänzt die Arbeit an Einlage und Manschette, wenn es für das konkrete Ergebnis erforderlich ist.
6. Auf Normmaß bearbeiten und die Schnittstelle prüfen
Bei unserem Cantingaufbau mit eingesetzten Keilen gehört die abschließende Bearbeitung der bindungsrelevanten Anschlussbereiche dazu. Wir fräsen die dafür vorgesehenen Bereiche wieder auf die vorgeschriebenen Maße und kontrollieren das Ergebnis.
Maßgeblich sind das konkrete Schuhmodell, der Sohlentyp und die zugehörigen Herstellervorgaben. Solche Arbeiten sind nicht bei jedem Schuh möglich. Die Bearbeitung endet daher mit der Kontrolle der Anschlussgeometrie und der passenden Schuh-Bindungs-Kombination.
Ein abgestimmtes Ergebnis entsteht Schritt für Schritt
Einlage und Bettung, Manschette und Canting greifen an unterschiedlichen Stellen an. Wir führen die Ergebnisse zusammen und beurteilen den Stand abschließend im vollständigen Schuh. Nicht jeder Skischuh benötigt alle beschriebenen Maßnahmen.